PC-Spieler kennen seit Jahren ein Drehbuch: Ein großer Titel erscheint, und in den ersten Tagen dominieren Ruckler, fallende Bildraten und Treiberprobleme die Schlagzeilen. Assassin's Creed Black Flag Resynced scheint dieses Muster jedoch umzukehren. Das Spiel läuft mit der aktuellen Version von Ubisofts Anvil Engine und vermittelt selbst zum Start einen polierten Eindruck; es findet ein spielbares Gleichgewicht auf starken wie auf vernünftigen Systemen. Umfangreiche Tests zeigen eine Performance-Tabelle, in der AMD-Karten vorne liegen, während auf NVIDIA-Seite ebenfalls alles im Rahmen bleibt. Doch was bedeuten diese Ergebnisse in der Praxis, welche Hardware liefert in welcher Auflösung was? Hier ist das detaillierte Performance-Bild der Startversion.
Test-Setup: Welche Hardware und welche Methode wurden verwendet?
Das Fundament der Messungen bilden ein AMD Ryzen 9 7950X3D und 32 GB DDR5-Speicher mit 6000 MHz. Auf der Grafikkartenseite gibt es eine breite Palette: von AMD die Radeon RX 6900XT, RX 7900XTX und RX 9070XT; von NVIDIA die RTX 2080Ti, RTX 3080, RTX 4090, RTX 5080 und RTX 5090. Die Tests wurden unter Windows 10 64-Bit mit den Treibern GeForce 610.74 und Radeon Adrenalin Edition 26.6.4 durchgeführt. Diese breite Kartenauswahl ist wertvoll, um zu sehen, wie sich sowohl ältere als auch aktuelle Hardware positioniert, denn viele Spieler nutzen gleichzeitig eine Karte, die zwei bis drei Generationen überspannt.
Die Framerate-Daten wurden mit dem integrierten Benchmark-Tool des Spiels erfasst. Solche Tools können die tatsächliche Spielerfahrung mitunter nur schwach abbilden; hier wird jedoch angegeben, dass das Tool die In-Game-Performance repräsentiert, es gibt also einen vernünftigen Grund, den Ergebnissen zu vertrauen. Alle Messungen konzentrieren sich auf die Rasterizer-Performance bei deaktiviertem Raytracing; für Interessierte an RT und DLSS 4.5 gibt es eine separate Untersuchung. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn um den grundlegenden Performance-Charakter des Spiels zu verstehen, muss man zuerst die Rasterizer-Tabelle verstehen.
Grafikeinstellungen, Upscaler-Unterstützung und Raytracing-Optionen
Ubisoft hat das Einstellungsmenü so gefüllt, dass es dem Spieler freie Hand lässt. Viele Parameter wie Texturen, Schatten, Sichtweite, Geländedetail und Reflexionen lassen sich separat anpassen. Diese Flexibilität ist besonders für Spieler ein wichtiger Vorteil, die auf Mittelklasse-Karten gern einzelne Einstellungen justieren, um FPS zu retten. Außerdem bietet das Spiel Raytracing-Unterstützung für globale Beleuchtung und Reflexionen; Besitzer von Karten der neuen Generation können die visuelle Qualität also noch eine Stufe höher schrauben.
Noch bemerkenswerter ist die Unterstützung aller drei großen Upscaler: NVIDIA DLSS 4.5, AMD FSR 4.1 und Intel XeSS 3.0. Dass dieses Trio gemeinsam vorhanden ist, bedeutet, dass Spieler markenunabhängig die für ihre Hardware passendste Lösung wählen können. Bei hohen Auflösungen ist Upscaler-Unterstützung längst kein Luxus mehr, sondern nahezu Pflicht; denn natives 4K treibt selbst die stärksten Karten an ihre Grenzen. Dennoch sollte man eines nicht vergessen: Ein Upscaler ist keine Magie, sondern ein Werkzeug, das durch Bildrekonstruktion Bildrate gewinnt — deshalb sollte man bewusst wählen, welcher Modus welche visuellen Zugeständnisse mit sich bringt.
Performance nach Auflösung: 1080p, 1440p und 4K
Bei 1080p mit Ultra-High-Einstellungen und deaktiviertem Raytracing ist die Lage recht entspannt. Die fünf stärksten getesteten Karten bleiben unter allen Bedingungen über 60 FPS. Selbst eine AMD Radeon RX 6900XT kann mit einem FreeSync-fähigen Monitor ein flüssiges Erlebnis bieten. Das ist eine erfreuliche Nachricht für Spieler, die eine einige Generationen alte, aber noch solide Karte besitzen; denn 1080p ist nach wie vor die Auflösung, die der Großteil der PC-Spieler bevorzugt.
Bei 1440p verlangt das Spiel deutlich mehr GPU-Leistung. In dieser Auflösung können eine AMD Radeon RX 9070XT und eine NVIDIA RTX 5080 zeitweise unter 60 FPS fallen. Wenn Sie jedoch einen G-Sync- oder FreeSync-fähigen Monitor besitzen, lassen sich diese Einbrüche absorbieren, ohne das Spielgefühl zu zerstören. Andererseits schaffen es RX 7900XTX, RTX 4090 und RTX 5090, die Bildrate in 1440p dauerhaft über 60 zu halten. Die praktische Lehre daraus: In 1440p wird variable Bildwiederholrate zu einem Komfortfaktor, der ebenso wichtig ist wie die Bildrate selbst.
Bei nativem 4K und Ultra-High-Einstellungen mit deaktiviertem Raytracing ist die benötigte Karte eindeutig die NVIDIA RTX 5090. Die gute Nachricht: Anders als bei Assassin's Creed Shadows läuft das Spiel mit dieser Karte unter allen Bedingungen über 60 FPS. Die schlechte Nachricht: Die zweitstärkste Karte, die RTX 4090, kann in 4K kein 60-FPS-Erlebnis bieten. Das allein zeigt, wie scharf der Generationsunterschied in diesem Spiel ausfällt. Wenn Sie also einen 4K-Monitor besitzen und hohe Bildraten anstreben, ist ein Start ohne Upscaler nicht realistisch.
AMD oder NVIDIA? Die Kartenpräferenz des Spiels ist klar
Wie schon in früheren Assassin's-Creed-Spielen scheint Black Flag Resynced AMD-Hardware stärker zu mögen. Bei 1080p mit Ultra-High-Einstellungen können AMD Radeon RX 7900XTX und RX 9070XT an der NVIDIA RTX 4090 vorbeiziehen. Ebenso lässt die RX 6900XT die RTX 3080 hinter sich. Solche Markentendenzen entstehen meist dadurch, dass die Spiel-Engine besser zu einer bestimmten Architektur passt, und können sich mit Treiberupdates im Laufe der Zeit ausgleichen.
Der allgemeine Charakter des Spiels ist überwiegend GPU-gebunden. Bei 1080p mit Ultra-High-Einstellungen arbeitet die RTX 5090 nahezu mit voller Kapazität — aber eben nur „nahezu“. In einigen Szenen wurde beobachtet, dass die GPU-Auslastung ohne sichtbaren Grund auf etwa 85 Prozent fällt, und in diesen Szenen liegt auch kein CPU-Bottleneck vor. Das deutet auf ein Effizienzproblem auf Treiberseite hin, das künftige NVIDIA-Treiber verbessern dürften. Aus Nutzersicht bedeutet das, dass ein Teil des Kartenpotenzials vorerst auf dem Tisch liegen bleibt.
Der Unterschied zwischen den Presets ist kleiner als erwartet
Die vorgefertigten Grafik-Presets des Spiels sorgen leider nicht für große Performance-Sprünge. Der Gewinn zwischen den beiden höchsten Stufen bleibt recht klein; das bedeutet, dass die höchste Einstellung visuell nur wenig hinzufügt, aber der Performance ernsthaft schadet. In dieser Tabelle erweist sich die High-Einstellung als ausgewogenste Option; sie bietet einen vernünftigen Mittelweg zwischen Optik und Bildrate.
Interessanter ist, dass die Einstellungen Medium und Low nahezu dieselbe Performance liefern. Medium sieht zwar deutlich besser aus als Low, doch bei der Bildrate entsteht kein gravierender Unterschied; der Grund dafür lässt sich nicht eindeutig erklären. Die Einstellungen Very Low und Ultra Low sorgen dagegen für einen deutlichen Performance-Schub, doch der Preis dafür sind große Zugeständnisse bei der visuellen Qualität. Die praktische Empfehlung: Statt die Zwischenstufen einzeln durchzuprobieren, kann es effizienter sein, direkt die High-Einstellung als Basis zu nehmen und darauf einige Regler manuell zu senken.
Visuelle Qualität und Vergleich mit Assassin's Creed Shadows
In Sachen Optik bleibt Black Flag Resynced einen Schritt hinter dem Eindruck zurück, den Assassin's Creed Shadows hinterlassen hat. Das Spiel sieht noch immer beeindruckend aus; doch der „Wow“-Effekt, den man beim Spielen von Shadows spürte, ist hier nicht genauso stark. Auch die Beleuchtung und die Raytracing-Globalbeleuchtung sind nicht so weit entwickelt wie in Shadows. Die Waldgebiete liegen im Vergleich zu Shadows ein bis zwei Stufen darunter.
Genau dieser Unterschied dürfte wohl dahinterstecken, dass das Spiel besser läuft als Shadows. Ubisoft scheint bewusst einen Kompromiss zwischen Optik und Performance gefunden zu haben, und dieser Kompromiss funktioniert in puncto Spielbarkeit. Dennoch hat diese Entscheidung einen Preis: Ein Titel, der visuell hinter dem vorherigen Spiel zurückbleibt, läuft technisch entspannter. Die eigentliche Erwartung ist, dass das nächste Spiel die Optik auf Shadows-Niveau mit der Performance-Leichtigkeit von Black Flag Resynced verbinden kann.
Keine Ruckler, aber einige technische Macken
Einer der auffälligsten Befunde dieser Untersuchung ist, wie sauber das Spiel in Sachen Stutter ist. Während 4 bis 5 Stunden Spielzeit trat kein einziger Ruckler auf; das ist bei heutigen PC-Spielen äußerst selten. Im Benchmark-Tool waren bei aktivem Raytracing zwar einige Ruckler zu sehen, doch im echten Spielverlauf bleibt das Erlebnis vollkommen flüssig. Das ist gerade in einer Zeit, in der Shader-Kompilierungs-Ruckler weit verbreitet sind, ein dickes Plus.
Auch die Steuerung ist problemlos: Es gibt keine bekannten Probleme durch Mausbeschleunigung oder Glättung (Smoothing). Dennoch ist das Spiel nicht perfekt. Es wird berichtet, dass es einen Bug gibt, durch den Zwischensequenzen auf 30 FPS festgeblockt werden; das kann die Flüssigkeit während der Erzählung stören. Außerdem scheint das Spiel für DLSS 4.5 standardmäßig Preset E zu verwenden — auch wenn sich über die NVIDIA App Preset M erzwingen lässt, zwingt das Fehlen dieser Einstellung den Nutzer zu manuellem Eingreifen. Zeitweise wurden auch seltsame Animationsfehler beobachtet.
Was bedeuten diese Ergebnisse für Spieler?
Insgesamt betrachtet liefert Black Flag Resynced zum Start wirklich eine polierte Version. Sie ist nicht perfekt, aber definitiv besser als der Zustand von Assassin's Creed Shadows am Releasedatum. Das Spiel sieht gut aus und läuft auf einer vernünftigen Hardware-Palette gut; Titel, die beides gleichzeitig schaffen, sind in den letzten Jahren selten geworden. Die Raytracing-Effekte verändern das Spiel zwar nicht von Grund auf, kommen aber mit geringen Performance-Kosten und sind erfreulicherweise vorhanden.
Die praktischen Empfehlungen lassen sich so zusammenfassen: In 1080p sind Sie mit einer Mittelklasse- bis Oberklasse-Karte gut aufgestellt; in 1440p macht ein Monitor mit variabler Bildwiederholrate einen großen Unterschied; in 4K ist es ohne die stärksten Karten und Upscaler-Unterstützung nicht realistisch, hohe Bildraten zu erwarten. In den Einstellungen ist die High-Stufe für die meisten Systeme der effizienteste Ausgangspunkt. Zusammengefasst lässt sich dieser Titel auf dem PC problemlos als gut optimierter Start bewerten — Ubisoft scheint diesmal die Arbeit beendet zu haben, ohne Spieler zu verärgern.